Wiki-Quellcode von Falscher Mehltau

Version 1.1 von Stefan Schumacher am 2026/02/03 12:45

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Stefan Schumacher 1.1 1 Für die Bekämpfung der Rebenperonospora steht das Prognosemodell „VitiMeteo Plasmopara“ (unter [[www.vitimeteo.de>>url:http://www.vitimeteo.de]] abrufbar) als Hilfsmittel kostenlos zur Verfügung. Das Modell berechnet Infektions- und Ausbruchsbedingungen sowie Inkubationszeiten und ermittelt somit das mögliche Auftreten der Krankheit. Dadurch ist ein gezielter Einsatz von Fungiziden unmittelbar vor Ausbruch und Neuinfektion der Rebenperonospora möglich.
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4 Die Empfehlungen der regionalen Weinbauberatung und die aktuellen Wettervorhersagen sollten beim Festlegen der ersten Behandlung auf jeden Fall beachtet werden, da sich die Witterung in den verschiedenen Weinbaubereichen Baden-Württembergs erheblich unterscheiden. Nachfolgend sind zwei Strategien für die Terminierung der ersten Behandlung beschrieben.
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6 1. Die erste Behandlung erfolgt **nach** einer Primärinfektion (Bodeninfektion) zwischen dem 1- bis 3-Blattstadium, in der Regel kurz vor Ende der Inkubationszeit, also unmittelbar vor möglichen Sporulationen (Ausbrüchen) und Infektionen.
7 1. Befinden sich die Reben jedoch schon zwischen dem 3- bis 6-Blattstadium ist es sinnvoll, die erste Behandlung **vor** einer Primärinfektion durchzuführen, da die erste Bodeninfektion in diesem Entwicklungsstadium bereits zu einem nennenswerten Befall an den Gescheinen führen kann.
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9 Im folgenden Text wird die Abbildung „Strategien zur Bekämpfung der Rebenperonospora 2026“ näher erläutert. Nach der ersten Behandlung sind die Reborgane relativ lang vor Infektionen geschützt, wobei die Wirkungsdauer des Fungizids in erster Linie vom Zuwachs begrenzt wird. In der Hauptwachstumsphase zwischen dem 3- bis 6-Blattstadium bis zur Schrotkorngröße der Beeren ist selbst bei starkem Infektionsdruck ein Zuwachs von zwei bis vier Blättern bzw. 400 – 600 cm² Blattfläche je Haupttrieb zwischen zwei Behandlungen akzeptabel. Die Behandlungsintervalle können vom bisherigen 400 cm² Standardabstand auf 600 cm² Blattflächenzuwachs verlängert werden, wenn vorbeugende Fungizide zusammen mit Präparaten ausgebracht werden, die Wirkstoffe aus der Gruppe der Phosphonate, wie z. B. Kaliumphosphonat oder Fosetyl-Aluminium (z.B. Veriphos), enthalten (auch in Kombipräparaten möglich, z.B. Delan Pro). Weiterhin kann das Behandlungsintervall bei Produkten mit dem Wirkstoff Oxathiapiprolin ggf. verlängert werden.
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11 Sobald darüber hinaus ungeschützte Blätter bzw. Blattfläche zugewachsen sind, wird anhand des Prognosemodells der Termin für die nächste Behandlung gegen die Rebenperonospora ermittelt. Falls in absehbarer Zeit keine Infektionen zu erwarten sind, richtet sich die nächste Behandlung entweder nach dem Infektionsrisiko des Echten Mehltaus (Oidium) oder den nächsten vorhergesagten stärkeren Niederschlägen aus.
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13 Bei „schwachem“ Infektionsdruck erfolgt die nächste Behandlung kurz vor Ende der Inkubationszeit, beziehungsweise möglichst kurz vor Regen und in der Regel mit einem vorbeugenden Kontaktfungizid.
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15 Bei „starkem“ Infektionsdruck sollte zum nächstmöglichen Termin, sobald die Rebanlagen ein sicheres Befahren erlauben, unbedingt ein kurativ wirkendes Fungizid eingesetzt werden.
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17 Im Zeitraum um die Blüte bietet die Anwendung eines in die Reborgane eindringenden Präparates generell einen besseren Schutz vor Infektionen - vorausgesetzt es herrscht „starker“ Infektionsdruck und Regen ist vorhergesagt. Das können sowohl kurative wirkende Fungizide als auch einige protektive Fungizide, wie z.B. Enervin SC oder Videryo F, sein. Diese Mittel lagern sich auf bzw. in die Reborgane ein und bieten dadurch einen besseren Schutz vor Infektionen.
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19 Bei bereits vorhandenem sehr starkem Befall sollte, auch um die **Bildung von Fungizidresistenzen zu verhindern**, maximal einmal ein kurativ wirkendes Fungizid eingesetzt werden. Danach sollte nach einem maximalen Zuwachs von 400 cm² ein protektives Fungizid, zunächst in Kombination mit einem Kaliumphosphonat-Präparat, eingesetzt werden. Bei Bedarf kann diese Kombination nochmals wiederholt werden. Anschließend ist es ratsam mit einem Kontaktpräparat weiterzuarbeiten. Die Intervalle sollten unter Berücksichtigung von Prognosedaten so gestaltet werden, dass möglichst keine Infektionen am Neuzuwachs zugelassen werden.
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21 Falls keine Prognosedaten zur Verfügung stehen, ist es empfehlenswert, sechs bis acht Tage nach der letzten Behandlung die Witterung zu beobachten und die Stärke der Infektion einzuschätzen:
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23 ➜ Bei schwachen Infektionsbedingungen, beispielsweise bei Tau oder nur geringen Niederschlägen, kann bei kühlen durchschnittlichen Tagestemperaturen unter 14 °C am 14. Tag bzw. bei warmen Temperaturen über 17 °C am zwölften Tag mit einem Kontaktfungizid behandelt werden. Ist anhaltend trockene Witterung vorhergesagt, kann die nächste Behandlung weiter hinausgezögert werden. Sie sollte aber vor einer angesagten Regenperiode durchgeführt werden und Behandlungen gegen Oidium berücksichtigen.
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25 ➜ Bei starken Infektionsbedingungen, beispielsweise bei lang andauernden Niederschlägen oder heftigen Gewittern mit warmen Temperaturen, ist der Einsatz eines kurativ wirkenden Fungizides zum nächstmöglichen Termin erforderlich. Bei bereits vorhandenem sehr starkem Befall, bitte obige Ausführungen beachten.
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27 In der Kombiansicht bei „VitiMeteo Plasmopara“ steht das Werkzeug „Behandlung Wirkdauer“ zur Umsetzung der oben genannten Strategie zur Verfügung. Das Werkzeug berechnet die Wirkungsdauer von Fungiziden anhand des Zuwachses und der gewählten Mittelauswahl. Nutzerinnen und Nutzer können ihre letzte Behandlung eingeben und ein Verlaufsbalken zeigt in der VitiMeteo-Risikografik wie lange die Reben durch diese Behandlung voraussichtlich geschützt sind.