Echter Mehltau

Version 3.1 by Stefan Schumacher on 2026/02/03 15:22

Echter Mehltau (lat. Erysiphe necator; ugs. Oidium)

Für eine sichere Bekämpfung von Oidium ist es notwendig, eine frühe Ausbreitung des Pilzes im Weinberg zu unterbinden. Die erste Behandlung sollte erfolgen, bevor die ersten Symptome sichtbar werden. Alle zugelassenen Fungizide müssen grundsätzlich vorbeugend eingesetzt werden. Sichtbarer Befall kann nicht oder nur mit sehr hohem Aufwand geheilt werden. Die erste Behandlung muss in der Regel im 6- bis 9-Blattstadium zusammen mit einer Behandlung gegen die Rebenperonospora durchgeführt werden. Falls jedoch im Vorjahr in der betreffenden Rebanlage bzw. auf benachbarten Flächen verstärkter, früher Befall festgestellt wurde und für den Pilz günstige Witterungsbedingungen herrschen, ist es empfehlenswert, die erste Behandlung vorher, nämlich ab dem 3- bis 6-Blattstadium, durchzuführen. Frühe Behandlungen (Austriebsbehandlungen) vor dem 3-Blattstadium sind gegen Oidium wirkungslos.

Von der ersten Spritzung bis kurz vor der Blüte können Netzschwefel oder alle anderen zugelassenen Mittel verwendet werden. Die kürzere Wirkung von Netzschwefel ist jedoch zu berücksichtigen, wenn bei feuchtwarmer Witterung die anfällige Phase, kurz vor der Blüte, früher als gedacht eintritt. Wenn es sehr heiß ist, kann Schwefel bereits nach fünf bis sieben Tagen ohne nennenswerte Wirkung sein.

Die besonders anfällige Periode für den Befall der Gescheine und der Beeren beginnt ungefähr eine Woche vor der Blüte ab dem Entwicklungsstadium BBCH 57, wenn sich die Gescheine strecken. Dieser Zeitraum, auch Mehltaufenster genannt, endet etwa mit der Schrotkorn- bzw. Erbsengröße der Beeren (BBCH 75). In diesem Zeitraum müssen insbesondere bei feuchtwarmer Witterung engere Behandlungsintervalle eingehalten werden und/oder besonders wirksame Mittel, wie z. B. Belanty, Collis, Dynali, Luna Experience, Luna Max, Prosper Tec, Sercadis oder Talendo (extra), verwendet werden (Abbildung: Oidium-Bekämpfungsstrategie 2026). Bei anhaltend feuchtwarmer, niederschlagsarmer Witterung - optimal für Oidium sind Tagesdurchschnittstemperaturen zwischen 17° C und 24 °C -  sollten auch bei diesen Präparaten Spritzabstände von 10 bis 12 Tagen in der besonders kritischen Zeitspanne nicht überschritten werden. Bei einem besonders schnellen Blatt- und Traubenzuwachs im Mehltaufenster kann sich die Wirkungsdauer verkürzen! Dies gilt besonders für die stark anfälligen Sorten Cabernet Dorsa, Chardonnay, Dornfelder, Müller-Thurgau und Trollinger.

Nach dem Ende der anfälligen Phase können alle anderen organischen Fungizide, vorzugsweise Präparate auf Basis der Wirkstoffgruppe der älteren Azole, wie Topas und Sarumo eingesetzt werden. Die letzte Behandlung kann auch mit einem Kaliumhydrogencarbonat-Präparat (Kumar, VitiSan) oder mit den Schwefelpräparaten Kumulus oder Netzschwefel Stulln durchgeführt werden. Diese Behandlungen sollen möglichst die Bildung der Überwinterungsformen (Chasmothecien) des Mehltaupilzes verhindern.

Für Präparate aus der Wirkstoffgruppe der Strobilurine wurden bereits vielerorts Resistenzen nachgewiesen. Diese Präparate sind nur noch in Kombipräparaten mit einem anderen Wirkstoff verfügbar und sollten gegen Oidium nur noch in nicht-resistenzgefährdeten Gemarkungen sowie bei weniger anfälligen Sorten zum Einsatz kommen. Vom Zusatz von Schwefelpräparaten zu anderen Fungiziden wird abgeraten, da weder gesicherte Ergebnisse für eine Zusatzwirkung noch zur Verhinderung der Resistenzentwicklung bei Oidium vorliegen. Generell darf auf keinen Fall zweimal hintereinander ein Mittel mit Wirkstoffen aus derselben Wirkstoffkategorie verwendet werden, da ansonsten Minderwirkungen bis zum Wirkverlust durch Resistenzentwicklung möglich sind (Abbildung: Antiresistenzstrategie 2025).

In der Kombiansicht bei „VitiMeteo Oidium“ steht das Werkzeug „Behandlung Wirkdauer“ zur Umsetzung der Strategie basierend auf der Tabelle „Wirkungsdauer nach OiDiag 2026 (Abbildung) zur Verfügung. „VitiMeteo Oidium“ erleichtert die gezielte Ausbringung von zugelassenen Präparaten in sinnvollen Intervallen. Die Angabe der Wirkungsdauer in Tagen wurde ergänzt mit der Angabe des Zuwachses an Blattfläche und Blättern. Die Hinweise zum Zuwachs sollen helfen kritische Situationen besser einzuschätzen. Die Oidium-Bekämpfungsstrategien für Normallagen sowie Befallslagen bzw. Sanierungsflächen ist in der Grafik und im Kastentext ausführlich und detailliert dargestellt!